Brückenschläge
VÖLKLINGEN
 
 
 
 
 

Als ich das erste Mal mit dem Zug nach Völklingen kam, rief der Schaffner mit freundlicher Stimme:

Völklingen hier Völklingen !

Nika BAKHIA
Hochschule der Bildenden Künste Saarbrücken


Abstract

Ein Versuch Stadt Völklingen neu zu komponieren

1. Brückenschlag mittels Seilbahn zwischen City und Stadteil Wehrden über das Weltkulturerbe "Völklinger Hütte".
2. Umsiedlung der Bewohner von Fürstenhausen und Fenne nach Wehrden und ins Stadtzentrum. Ergebnis – mehr Dichte – Brückenschlag.
3. Brückenschlag zwischen Deutschland und Frankreich durch die Erweiterung der Saarbahnstrecke von Saarbrücken nach Völklingen und dann nach Forbach über Petite Rosselle.




Visionen auf der Grundlage der städtebaulichen und landschaftlichen Gegebenheiten zu entwickeln, unter Berücksichtigung der planerischen Notwendigkeiten, zur Förderung der Kommunikation, das scheint mir die Voraussetzung für jeglichen "Brückenschlag" zwischen Stadtteilen und Ländern zu sein. In diesem Sinne möchte ich folgendes vorstellen:


1. Vision

Durch eine Seilbahn soll die Verbindung zwischen dem Weltkulturerbe Alte Völklinger Hütte, der Stadt und einem Freizeitpark auf den Hostenbacher Halden hergestellt werden.

Seilbahn
Seilbahn

So können die Stadtbewohner und die Besucher der Hütte vom Bahnhof zum Weltkulturerbe gelangen, oder die Fahrt weiter zur ausgebauten Parkanlage auf der "Hostenbacher Kipp" fortsetzen.

Die beiden Berge "Hermann" und "Dorothea" sollen durch diese Seilbahn unkonventionell miteinander verbunden sein, indem die Kabinen über ein Riesenrad geführt werden, das auf dem mittleren Berg aufgestellt wird.

Die Parkanlage soll nicht inszeniert, sondern den Gegebenheiten nach gestaltet werden, damit nicht die Träume der anderen konsumiert werden, sondern damit es durch die Änderung des Blickwinkels möglich wird,  selber  zu  träumen , sich zu entspannen.

Früher wurde Kohle mit der Seilbahn befördert. Jetzt, statt Kohle Menschen!

Ein Brückenschlag von der City zum Weltkulturerbe und die Rehabilitierung der Kippanlagen ist das Ergebnis dieser Vision.


2. Die Kommunikation

Der geplanten Saarbahn-Strecke von Saarbrücken nach Völklingen, soll ein Abschnitt Saarbrücken-Forbach-Völklingen über Petite Roselle, Carreau Wendel, Großrosseln und Geislautern dazugefügt werden. Die existierende alte Bahnstrecke wird wiederbelebt. An der Stelle, wo Ludweiler Str., Bahngleise und Autobahn ein Dreieck bilden, wird zum Auffangen der Verkehrsbewegungen von Frankreich und Geislautern her bauliche Substanz in Form eines V eingefügt. Und an der Stelle neben Hauptbahnhof, Parkhaus und Globus zum Auffangen der Verkehrsbewegungen von Saarbrücken, Saarlouis und Innenstadt wird bauliche Substanz in Form eines K errichtet. In diese Verkehrsknotenpunkte V und K sollen die Saarbahnstation, Betriebs- und Einkaufszentren und Haltepunkte unserer Seilbahn integriert werden.

Verknüpfungspunkte
VerKnüpfungspunkte

Die V- und K-Punkte sollen den funktionellen Erwartungen mit ihrer plastischen Gestalt entsprechen. So beispielsweise, kann die Autobahnausfahrt zum V direkt auf dessen abwärtsgeneigtes Dach geleitet werden. Im Zwischenraum des V fließt die Rossell. Hier bietet sich der Platz für eine lokale Spielanlage an. Beim K soll der mittlere Teil in Glas gebaut werden, damit die Lichtführung von oben, den Seilbahnstationen, nach unten hin durch das Einkaufszentrum in die Bahnhofshalle gewährleistet wird.

Da die Seilbahn diese Knotenpunkte V, K, die Hütte und die Kipphalden miteinander verbindet, wird sie nicht nur zur Attraktion, sondern auch zum  Stadt-Verkehrsmittel .

V und K als VerKnüpfungspunkte für Seilbahn, Autostraßen und Saarbahn stehen nicht nur für Völklingen, sondern werden zu Brückenpfeilern für den Brückenschlag zwischen Frankreich und Deutschland.


3. Notwendigkeit

Während meiner Recherchen entdeckte ich, daß die Stadteile Fürstenhausen und Fenne vom Kohlenabbau völlig zerstört und nicht mehr bewohnbar sind: Unterhöhlung und Einsturzgefahr!

Die Lage
Die Lage

Dies nahm ich zum Anlass, für die betroffenen Einwohner an der Stelle des Wehrdener Kraftwerks entlang der Saar und auf den Höhen die Siedlungen zu entwerfen. Die erste Siedlung auf der quadratischen Kraftwerksfläche soll streng geometrisch geplant werden und somit in der auffallend unarchitektonisch gebauten Stadt Völklingen festplattenartig wirken.

Die Form der zweiten Siedlung diktierte mir der Wald nahe der ausgewählten hügeligen Gegend.

Es ist ein Eichenwald. Ich entschied mich, die Siedlung nach dem Vorbild eines Eichenzweiges zu gestalten. Entsprechend sollten die Häuserreihen mit den Straßen nach der Sonne ausgerichtet und in die Landschaft eingebettet werden.

"Arbor Germanica" - deutscher Baum, also nenne ich dieses "Gallierdorf", wie unser Schlossermeister Herr Lorson beim Schau meiner Modelltafeln plötzlich ausrief.

Den betroffenen Einwohnern sollen auch die in der City leerstehenden Häuser angeboten werden. So wird die Bewohnerzahl in Wehrden und in der Stadtmitte insgesamt um mehr als 3000 Seelen wachsen. Folge: Mehr Menschen, stärkere Dichte,  mehr Leben und mehr Kommunikation  - also "Brückenschläge".


Lichtorgel zum Auftakt

Seit die Alte Völklinger Hütte stillgelegt wurde und aus den Schornsteinen kein Rauch mehr qualmt, ist sie ein überdimensionales Still-Leben geworden.

nachts
nachts

Ich stelle mir die Alte Hütte mitsamt der Gebläsehalle als Lichtorgel vor. In der Gebläsehalle gespielte Musik wird an die in Schornsteinen montierten Projektoren weitergeleitet. So werden die Lichtstrahlen in verschiedenen Höhen, Farben und Stärken an den Himmel geworfen. Die  Lichtübersetzung der Musik  soll zur Verlebendigung des Weltkulturerbes beitragen.

Die Strahler können auch als Nachtbeleuchtung der Hütte eingesetzt werden.

Licht-Musik-Produktion statt Rauch-Produktion.