Brückenschläge
VÖLKLINGEN
 
 
 
 
 

Freier Aufenthalt in Völklingen

[ Fragmente ]

Ji-Seop KIM, Korea
Hochschule der Bildenden Künste Saarbrücken



Ich möchte die Straße
zwischen dem Hauptbahnhof Völklingen und
der Brücke über die Saar
abtragen lassen,
damit die Erde dort
 wieder atmen 
kann.

Dann würde ich Menschen
aus aller Welt
bitten,
uns
gesunde Erde
aus
ihrer Heimat
mitzubringen.

Wenn dann,
dank
der Geduld
der Einwohner,
Pflanzen und Tiere
wieder in Völklingen leben
können,
dann kann
auch der Mensch
frei bleiben
wie die anderen
Geschöpfe der Natur.

KIM 01

Wohin soll ich meine Brücke schlagen?

nach Westen

nach Osten


KIM 03

GIBT (ES) OBEN ODER UNTEN
OHNE MITTE?

NEIN,
OHNE TRENNEN
GIBT ES
NICHTS.

JA, DER ANFANG
IST OBEN


KIM 05

WO IST DIE ERDE?

unter dem
Asphalt

um die Wurzel
der Eiche


KIM 07

Sieht dann die Erde
schön aus?

Durch die Zerstückelung
verliert sie ihre
Harmonie

Glänzend
schön


KIM 09

Kann die mit Asphalt geschminkte
Frau auch eine Frucht bringen?


KIM 11

Atmest du?

Nein

Ja,
aber schwer


KIM 13

Gehört VÖLKLINGEN zu
Deutschland?

unwahrscheinlich,
eher weltweit
offen.

Ja, Absolut


KIM 15

Wer ist Deutscher o. neu?

Der in Deutschland
geboren ist

Der die deutschen
Eltern hat.


KIM 17

Warum dann der Krieg
z.B. USA gegen IRAK?

Weil die Identität
schon
fixiert ist.

Wegen dummes
Affensohnes, der
sich nur stolz fühlt,
wenn er Andere
unterdrücken kann.


KIM 19

Ist sie genug dick,
um darauf zu gehen
damit man darauf gehen kann?

Ja, sie ist so dick,
dass sie die Welt
auf sich laden kann.

Naja,
überall sind
die Grenzen.


KIM 21

WER KULTIVIERT WAS?

Wer was
kreiert

Alle Dinge
haben Kraft,
(sich) selbst (zu) ent-
falten.


KIM 23

Hat nicht der Mensch
die Tiere kultiviert?

Doch

Nein,
ganz (im) Gegenteil


KIM 25

Wer dann, Selber?

Ja, Der Mensch
hat alle
Kulturen
geschaffen

Nein, Es
gibt das Selbst
nicht
ohne Anderen.


KIM 27

Kann die Erde
ihn kultivieren?

Nein,
Er muß
selber ...

Nein, Aber
Sie kann
ihm helfen



Urteil der Jury:

Freier Aufenthalt in Völklingen
von Ji-Seop KIM, Hochschule der Bildenden Künste Saarbrücken

Die Arbeit von Ji-Seop KIM wirft eine wesentliche Fragestellung der Stadt auf, indem sie sich auf die wechselvolle und mitunter tragische Geschichte des Industriestandortes bezieht und der Stadt "Luft zum Atmen" verschaffen will.