Brückenschläge
VÖLKLINGEN
 
 
 
 
 

Erfahrbahn

Lars OBERWINTER
"Anerkennung"
Universität Kaiserslautern


Abstract

Zweiseiliges Gondelbahnsystem zur Durchdringung der Eisenhütte mit Einstieg auf dem Dach des GLOBUS-Kaufhauses.
Soll sowohl das touristische Potenzial des Weltkulturerbes Völklinger Hütte an sich steigern als auch den Touristen zum Innenstadtbesuch bringen, indem der einzige Zugang in diesen Bereich gelegt wird.



Luftbild von Völklingen 2
Luftbild von Völklingen 2
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Das Luftbild zeigt den Bereich zwischen Saar und Teilen der Völklinger Innenstadt. Mittig links sehen wir die stillgelegte Eisenhütte - das Weltkulturerbe [WKE], zentral das Innenstadtdreieck [ISD] Völklingens.
Hervorgehoben sehen wir eine Schneise aus Gleisanlagen und noch in Betrieb stehender Industrieller Anlagen von Saarstahl, die den Innenstadtbereich deutlich vom Hüttengelände trennen.

Diese räumliche  Spaltung der zwei Hauptidentifikationspunkte  der Stadt kann man als physische Dokumentation der Kluft interpretieren, die sich auf metaphysischer Ebene zwischen den Stadtbewohnern und den Verwaltern der Eisenhütte auftut: Zwei Parteien, die über ein Jahrhundert lang in ständiger Wechselbeziehung standen, driften mehr und mehr von einander ab, die Kommunikation ist zum Erliegen gekommen.

Völklingen kämpft sich mit enormer Arbeitslosigkeit, daraus resultierender geringer Kaufkraft und einem (milde ausgedrückt) mäßig attraktiven Innenstadtbereich ab.
Die paar Touristen, die sich tatsächlich zum Weltkulturerbe bemühen, um in dem monströsen Gerippe verrottenden Stahls herumzukrabbeln, suchen nach dieser Hüttenbesichtigung vergeblich nach einem nahe gelegenen Café oder auch nur einem angenehmen Verweilraum. (Die GLOBUS-Cafeteria sei hier ausdrücklich ignoriert)
Anstatt aber nun gemeinsam Konzepte zur besseren Verknüpfung von Innenstadt und Weltkulturerbe auszuarbeiten, die dem Touristen beide Teile Völklingens schmackhaft machen könnten, beharren Stadtregierung und Hüttenverwaltung starrsinnig auf ihren Standpunkten.

Ich habe in diesem Entwurf versucht, ein Konzept zu entwickeln, welches einerseits eben eine solche Verknüpfung zwischen Hütte und Stadt bewirkt, andererseits aber auch die touristische Attraktivität der Hütte an sich steigert.
Es handelt sich um eine  Seilbahn , die auf dem Dach des GLOBUS-Kaufhauses am Stadteingang ihren Ein- und Ausstieg hat. Der Hütten-Tourist ist so gezwungen, die Innenstadt zu betreten, um in die Hütte zu gelangen.


Die  Gondel  ist eine Kugel mit einem Außendurchmesser von 2 Metern, die zwischen zwei Seilen gelenkig aufgehängt ist. Dieses Prinzip ermöglicht eine jederzeit aufrechte Sitzposition bei beliebiger Seilstellung, die Trasse kann also z.B. auch senkrecht verlaufen.
Die Gondel ist mit einem kleinen Touch-Screen und Lautsprechern ausgestattet, der einerseits den Insassen mit allen Hintergrundinformationen zu den befahrenen Orten versorgt, ihm andererseits aber auch die Möglichkeit gibt, selbst zu entscheiden, welchen Trassenabschnitt er jetzt befahren möchte. Dies wird an bestimmten Punkten durch Weichensysteme möglich.


Durchdringen
Durchdringen

Die geringen Dimensionen und die Aufhängungsart sind dazu gedacht, die Strukturen der Einsenhütte bis in kleinste zu durchdringen. Die Gondel kann dem Insassen  Erfahrungen  verschaffen, die er zu Fuß nie machen könnte: Sie durchfährt Schornsteine und Hochöfen, bewegt sich in Rohren beliebiger Richtung und kreuzt gewaltige Stahlskelette.


Durchkreuzen
Durchkreuzen

Sie führt den Insassen auf den höchsten Schornstein und in das tiefste Silo, kann ihn Details begreifen lassen und ihm Überblick verschaffen.

schönes Erbe
Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Das komplexe Gebilde des Weltkulturerbes Völklinger Hütte wird so inhaltlich und räumlich besser erfahrbar. Ich begreife das Weltkulturerbe als  das ehemalige und zukünftige Herz Völklingens , und es stellt in meinen Augen die einzige Chance dar, Völklingens Image einen "Schubs" hin zu einer interessanten und sehenswerten Stadt zu geben.
Die Stadt hingegen kann mit ihrer Parkplatzkapazität auch einem größeren Besucheransturm gerecht werden, und wird vom Innenstadtbesuch der Touristen auch kommerziell profitieren können.



Urteil der Jury: "Anerkennung"

Erfahrbahn
von Lars OBERWINTER, Universität Kaiserslautern

Im Bereich strategische Programme setzt diese Arbeit ganz auf das Event eines technischen Erlebnisraums, auf die Überhöhung des Weltkulturerbes durch eine zukunftsweisende Erlebnisbahn. Eine außerordentliche Attraktion für die Stadt, ein touristisches Highlight als Motor für alle weiteren Entwicklungen. Die in besonderer Weise dargestellte Idee und technische Erfindung der "Erfahrbahn" hat sicher das Zeug zu einer Anschubinvestition, wie sie sich Politiker und Investoren wünschen. Die Bahn erscheint reizvoll und originell genug, um viele Besucher zu begeistern. Doch es bleibt die Frage offen, was diese Investition für die Reststadt bedeutet. Diese Dimension der weiteren Entwicklung wird in einer oft allzu Investoren gläubigen Zeit leider zu wenig erwogen und problematisiert. Der Schritt in eine solche notwendige Folgeplanung fehlt auch hier und wäre angesichts der wirklich guten Startidee ein guter zweiter Schritt gewesen.