Brückenschläge
VÖLKLINGEN
 
 
 
 
 

Wohin mit dem gebauten Kram?

Rückbau und Wiedergutmachung

Sebastian HÖFFKEN
"Erster Preis"
Universität Kaiserslautern


Abstract

Intuitiv gelenkte Verformung der Bausubstanz an städtebaulich und stadthistorisch markanten Orten auf abstrakt-plastischer Ebene.




Stadtgeschichte

Völklinger Eisen-Hütte in Betrieb
Völklinger Eisen-Hütte in Betrieb 1963

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Stadt Völklingen 1930

Idylle 1966
Idylle 1966

Zentaur
Zentaur

Ausgehend von den vor Ort zu beobachtenden Leerständen und funktionsunfähigen Strukturen hat sich die Frage nach den dafür relevanten Ursachen verstärkt in den Vordergrund gedrängt. Neben zeittypischen Fehlplanungen, wie dem "Ideal der autogerechten Stadt" und allgemeinen Phänomenen wie der Stahlkrise in den 1970er Jahren, sind jedoch auch individuelle Gründe für die Unattraktivität der Innenstadt zu finden. So brachte die Rückgliederung des Saarlandes an die BRD 1957 für Völklingen eher negative als positive Folgen mit sich. Die damalige Verunsicherung schwächte die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmer und Geschäftsleute. Ferner ließ sich die Stadt von stadtplanerischen Ansätzen fehlleiten, die das Potential der Innenstadt spürbar überschätzt haben.

Die Resultate der damaligen "Freude am Bauen" prägen heute das Gesicht der Stadt und stellen zugleich blockierend einer Gesundung der Stadt im Wege. Der Einfluß des Weltkulturerbes stellt hierbei eine latente Gefahr dar, da er zum Festhalten an jenem Wachstums- glauben verleitet, der die Stadt damals zu dem machte, wie sie sich heute ihren Bewohnern bietet.



Wohin mit dem gebauten Kram?

Ein spezielles Projekt wird nicht durch ein vorbestimmtes Ergebnis - wie z.B. ein Buch - gekennzeichnet, sondern durch ein zentrales Problem, für das es eine Vielzahl von möglichen Ergebnissen gibt.
Es ist nicht klar was zu tun ist, noch nicht einmal wo man anfangen soll, um das Problem zu lösen.
Die Situation verlangt nach etwas Neuem, einem dramatischen Wechsel, nach etwas, das vorher noch nicht ausprobiert wurde.
Das Problem und die Ergebnisse widersetzen sich den bekannten Definitionen von Gestaltung. Sie reichen über die Grenzen des vertrauten Denkens und Handelns hinaus und verlangen eine neue Betrachtung der Dinge.
Die Lösung zu finden ist schwierig. Die Komplexität verlangt größt- möglichen Einsatz und appeliert an unseren Ehrgeiz und unsere Leistungsfähigkeit.
[ Bruce Mau, Design, 2003 ]



Wie arbeiten?

"Der  Bastler  ist in der Lage, eine große Anzahl verschiedenartiger Arbeiten auszuführen, doch im Unterschied zum Ingenieur macht er seine Arbeit nicht davon abhängig, ob ihm die Rohstoffe oder Werk- zeuge erreichbar sind, die je nach Projekt geplant und beschafft werden müßten: die Welt seiner Mittel ist begrenzt, und die Regel seines Spiels besteht darin, jederzeit mit dem, was ihm zur Hand ist, auszukommen,(...)."
[ Claude Lévi-Strauss: Das wilde Denken, Frankfurt am Main 1968, S. 30 ]

In einer Situation, in der wir die Begrenztheit unseres Wissens und unserer Mittel eingestehen müssen, eröffnet die Vorstellung vom Bastler alternative Handlungsmöglichkeiten.  Während der Städte- bauer mittels Strukturen Ereignisse schafft, entwickelt der Bastler aus den Überresten von Ereignissen strukturierte Gesamtheiten.  Dies ermöglicht, die räumlichen Manifestationen von ungeplanten Entwicklungen, von gescheiterten Intentionen wie von Irrtümern und Zufällen in den Städtebau zu integrieren und deren Potentiale zu entdecken."
[ Philipp Oswalt: Berlin_Stadt ohne Form, München 2000 ]



Was ist passiert?

Südtangente
Südtangente

Verkehrsplanung Stadtmitte: Bei seiner Besichtigung am 14.7.64 hat Bundesverkehrsminister Seebohm der geplanten Südtangente zugestimmt und eine baldige Verwirklichung zugesagt.




Was ist passiert?

1883: erster Hochofen
      angeblasen
1938: Produktionsrekord
1952: 2.Produktionsrekord
ab 62: Giroüberweisung
       des Lohnes
1975: Beginn der Stahlkrise
1986: Stillegung
1956: Abriß Krankenhaus 
1966: Stadtbaderrichtung 
1967: Schlachthof 

      Geislautern 
65-70: Rathausneubau 
1969: VB Stadtwerke 

      Geislautern 
1987: GLOBUS-Kaufhaus 
1937: Gemeindereform
1959: Rückgliederung
1994: UNESCO nimmt die
      Eisenhütte auf in die
      Liste "Weltkulturerbe"
1974: Eingemeinung Lauterbach
      und Ludweiler


Entwicklung Völklingens-1
Entwicklung Völklingens-1
Entwicklung Völklingens-2
Entwicklung Völklingens-2


Entwicklung Völklingens
Entwicklung Völklingens












1883: erster Hochofen
      angeblasen
1938: Produktionsrekord
1952: 2.Produktionsrekord
ab 62: Giroüberweisung
       des Lohnes
1975: Beginn der Stahlkrise
1986: Stillegung
1956: Abriß Krankenhaus 
1966: Stadtbaderrichtung 
1967: Schlachthof 

      Geislautern 
65-70: Rathausneubau 
1969: VB Stadtwerke 

      Geislautern 
1987: GLOBUS-Kaufhaus 
1937: Gemeindereform
1959: Rückgliederung
1994: UNESCO nimmt die
      Eisenhütte auf in die
      Liste "Weltkulturerbe"
1974: Eingemeinung Lauterbach
      und Ludweiler


... eines von drei Beispielen:
          Das Gebäude der Post ...


Völklingen heute
Völklingen heute
Innenstadt
Innenstadt
Postgebäde
Postgebäde



Was ist passiert?

Baufreude
Baufreude


Baustelle
Baustelle
Dimension
Dimension
Heutzutage
Heutzutage



Welches Werkzeug?

Mehr Platz
Mehr Platz


 "Dieser Beitrag soll Mut machen !" 



Urteil der Jury: "Erster Preis"

Rückbau und Wiedergutmachung
von Sebastian HÖFFKEN, Universität Kaiserslautern

Nach einer ebenso radikalen wie tragfähigen Analyse der ökonomischen wie demografischen Realitäten der Stadt kommt der Verfasser zu einer überraschenden Schlußfolgerung: Hier müssen alle bisherigen Lösungsverfahren versagen. Daraus folgert er einen völlig neuen Freiheitsgrad in den möglichen Handlungsoptionen, den er in seinen Entwurfshandlungen sehr anschaulich demonstriert. Getreu Levi-Strauss’ "Lob des Bastlers" werden drei exemplarische Standorte der Innenstadt formalen Analysen unterzogen und mit überraschenden Körperlichkeiten neu besetzt. Dieses Vorgehen will keine konkreten Antworten auf reale Leerstandsmissstände geben, sondern den Gewinn an planerischer Freiheit vorführen, also "die Krise als Chance" interpretieren. Es ist eine Arbeit, die für das berufliche Selbstverständnis der Planerzunft wichtige Impulse vermitteln kann. Obendrein überzeugen die außerordentliche Lokalkompetenz des Verfassers sowie die Souveränität der didaktischen Vortragsstruktur.