Nahtstelle zur Stadt:
    Vom BAYERwerk zum Chemiepark
Leverkusen

                             DRUCKVERSION


Ein Konzern wird umgebaut:


Vom BAYERwerk zum Chemiepark
Leverkusen

Ein Projekt des Kulturkreises in Kooperation mit der BAYER AG und mit Unterstützung der WestLB für Studierende der Architektur im Wintersemester 06/07


Bearbeitungsbereiche und relevante Nachbarbereiche BAYER-Werk/-Chemiepark



1. Thema und Planungsgebiet + + + + + +

Die Entwicklung des bisherigen Chemie- und Pharmakonzerns BAYER in den letzten Jahren kann sicher als typisches Beispiel für die Veränderung industrieller Produktion durch Globalisierung und deren Auswirkungen sowohl auf die betriebliche Organisation als auch auf die bauliche Struktur des Werksgeländes gesehen werden. Die Umformung des Chemie- und Pharmakonzerns hat neben der Verlagerung von Produktionen zur Gründung der BAYER-Holding mit Teilkonzernen, Servicegesellschaften und unabhängigen Chemieparkpartnern und somit zur Umwandlung des Werksgeländes in einen Chemie-Park mit verschiedenen Einzelunternehmen geführt. Von den zu Zeiten der Vollbeschäftigung vorhandenen ca. 45.000 Arbeitsplätzen bestehen nach stufenweiser Reduzierung heute noch ca. 31.000 Arbeitsplätze: hiervon 14.000 BAYER-Mitarbeiter, 5.000 LANXESS-Mitarbeiter, 5.000 Mitarbeiter weiterer Chemieparkpartner und 7.000 Mitarbeiter von Montagefirmen und Fremdbüros.

Das Gelände des BAYER-Chemieparks ist immer noch durch die Großblockstruktur mit Haupt- und Nebenstraßen des ehemaligen Werksgeländes geprägt, die so schon Ende des 19. Jhd. in einer weitsichtigen Planung durch Carl Duisberg konzipiert wurde, und signifikant durch infrastrukturelle Rohrtrassen bestimmt ist, die die einzelnen Blöcke mit den für die standortbezogenen Produktionen notwendigen Ressourcen versorgen. Von den ursprünglichen Ziegelbauten der Gründungszeit sind nur noch wenige Gebäude erhalten. Das Gelände ist durch eine heterogene Erscheinung geprägt, die auch für die wenigen neuen Gebäude keinen Gestaltungskonsens erkennen lässt. Die Aufgabe und Verlagerung von Produktions-Betrieben führt zu Leerständen und freien Grundstücksflächen, an deren Vermarktung in Form der Ansiedlung von Fremdfirmen nicht zuletzt wegen der teuren vorhandenen Infrastruktur ein unmittelbares Interesse besteht.
Den Westen des Gebietes prägen die Kai- und Verladeanlagen entlang des Rheinufers, als Ausgangspunkt, des sich nach Osten entwickelnden ursprünglichen streifenartig organisierten Produktionsgangs im ehemaligen Werk. Der Norden des Gebietes ist die eigentliche Nahtstelle zur Stadt, momentan gekennzeichnet sowohl durch die im letzten Jahr realisierte Freiraumgestaltung im Rahmen der Landesgartenschau, mit der Einbeziehung des Rheinufers als auch durch unattraktive Alt- und eher heterogene Neubauten am südlichen Stadtrand des Stadtteils Wiesdorf, die den Stadtrand unfertig erscheinen lassen. Teile hiervon wurden zum Sanierungsgebiet erklärt, bestimmte Bereiche ab dem Jahr 2000 umgestaltet — insbesondere auch das Straßensystem. Im Osten tangiert die in Nord-Südrichtung mehrspurig ausgebaute Bundesstraße 8 das Gelände.  Das Gelände zwischen  Bundesstrasse und der noch weiter östlich verlaufenden Bahnstrecke Düsseldorf-Köln ist bis auf das südliche Ende mit der Beamtensiedlung aus der Jahrhundertwende ein überwiegend brachliegender Flächenstreifen, mit ungenutzter Kirche, dem inzwischen geschlossenen Bahnhof Wiesdorf und teilweise ungeordneter Parkplatznutzung und Abbruchflächen. Die südliche Begrenzung bildet eine Erschließungsstraße, die zwischen eigentlichem Werksgelände und dem Carl-Duisberg-Park verläuft.


Hauptverwaltungen

An dieser Straße, der Kaiser-Wilhelm-Allee, gruppieren sich neben dem BAYER-Kasino die Hauptverwaltungen aus drei verschiedenen Epochen, die neue Konzernzentrale von Helmut Jahn, das BAYER-Hochhaus (Architekten HPP) sowie das altehrwürdige Direktionsgebäude [BAYER-Gebäude-Nummerierung Q26] von ca. 1895 und zu dessen Füssen, das teilweise unterirdische Ausstellungs- und Tagungszentrum Bay- Komm. (Architekt: Erich Schneider-Wessling). Zwei ebenfalls architektonisch signifikante Gebäude des Architekten Emil Fahrenkamp [BAYER-Gebäude-Nummerierung Q30 und E39] runden das Ensemble ab.

Durch die Umwandlung des Werkgeländes der Bayer AG in den Chemiepark Leverkusen vollzieht sich zur Zeit ein Systemwandel vom geschlossenen Werksraum — als deutlich gegenüber der Stadt abgegrenzter Bereich — zum "offenen" Chemie-Park, der als Industrie- und Gewerbegebiet im Inneren umgestaltet werden wird, in die Entwicklung der Stadt integriert und an den Nahtstellen zur Stadt neu formuliert werden muss. Hier gilt es, ein entstehendes Vakuum zu füllen.

Auf diese grundlegenden Veränderungen beziehen sich auch die unterschiedlichen Teile möglicher Aufgabenstellungen.




2. Spektrum von Aufgabentypologien + + +

Innerer Wandel und qualitatives Wachstum

Vereinzelter, länger anhaltender Leerstand und zunehmende Stilllegung von Produktionsteilen, Umzug und Wegzug innerhalb der Blockmodule stellen die Frage nach einer Gesamtentwicklung des ehemals geschlossenen Werksgeländes. Die innere Umstrukturierung, verbunden mit der Herausbildung neuer Firmen und der Ansiedlung chemiefernerer Produktionsstätten, führt zur generellen Umorganisation der Struktur des Nutzersystems. Das modulare Blocksystem kann seine hohe Flexibilität neu unter Beweis stellen — oder es bewährt sich unter diesen aufgebrochenen Strukturverhältnissen nicht. Die europäische Gesetzgebung und Störfallprävention, wie sie in der "Seveso-II-Änderungsrichtlinie" vom 12. Mai 2005 beschlossen wurden, sind zu berücksichtigen — insbesondere in Bezug auf den Abstands-Aspekt.



Durchdringung der Ränder



Fahrenkamp-Bau Kaiser-Wilhelm-Allee Ecke B8

Die westliche Rheinfront ist derzeit noch geschlossen und dient überwiegend der Transportlogistik, welche hier auch weiterhin eine wesentliche Basis des Stoffumschlages darstellt. Der südliche Eingangsbereichs Kaiser-Wilhelm-Allee ist mit den Verwaltungsgebäuden, dem japanischen Garten, dem Kasino, dem Bay-Komm und der geplanten und ansatzweise begonnenen "Verwaltungserweiterung" zum "Administration Center" ohnehin ein überwiegend öffentlicher Bereich. Hinzu kommen hier — in Verlängerung des Verwaltungsstreifens nach Osten — heute bebaute, größere Flächen eines in Insolvenz befindlichen Chemieparkpartners, welche ebenfalls als planerisch disponibel anzusehen sind.



Bearbeitungsbereich III







Situation an Tor 7




Die östliche Begrenzung zur B8 ist noch weitgehend geschlossen.

Für die Aufgabenstellung bietet sich aber der nördliche Rand des Werkes an, der ohnehin schon durch die teilweise "Außenlage" der Firma Kronos "ausgefranst" ist. Er berührt am intensivsten die Stadt Leverkusen (Stadtteil Wiesdorf). Hier im Bereich von Tor 7 könnte möglicherweise die vorsichtige Öffnung und osmotischen Durchdringung von Stadt und Chemiepark beginnen, die allerdings verschiedene produktions- und infrastrukturell bedingte Zwangspunkte zu berücksichtigen hat.


Bearbeitungsbereich II


Niemandsland — Neuland








Städtebauliche Reste: Die Kirche




Das "Niemandsland" liegt östlich der B8, ist etwa 200 Meter tief und zieht sich auf ganzer Werkslänge von Leverkusens Zentrum im Norden bis zu BAYERs "Beamtensiedlung" im Süden — in früheren Zeiten wohl als Gelände zur potentiellen Werkserweiterung  gedacht. Die vorhandenen Zeichen der stecken gebliebenen Entwicklung bedürfen einer städtebaulichen Neuinterpretation des Zusammenwirkens der Stadt Leverkusen und BAYER AG.

Die derzeitigen Entwicklungen lassen annehmen, dass im Sinne einer weltweiten Ausdifferenzierung der Produkte und der Märkte neue Segmente von Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben entstehen werden, deren Niederlassungen  — wegen der jetzt und auf absehbare Zeit noch dominanten Chemiestrukturen — nicht im heutigen Chemiepark anzusiedeln wären.
Innovative — herausragende, hochwertige — Architekturen könnten in dem Streifen "Niemandsland" die neuartige, aufgestockte Gewerbestadt als "Neuland" entstehen lassen, das mit dem Werk und der Stadt in einer engen strukturellen Verbindung stehen und den Umbau des Konzerns auf eine neue Ebene der Synthese von Chemie- und Pharmastrukturen, Kommunikation und Logistik und sinnlicher Erfahrbarkeit befördern würde. Zu denken wäre an Steuerungseinheiten für die bestehenden produktiven (im Werk liegenden) Module, an intersektorale Forschungszentren, kollektive Wissensmärkte sowie an Erweiterungen für die diversifizierte Produktion und an bahnbezogene Logistik.
Hierbei sollte berücksichtigt werden, mögliche funktionale Konkurrenz zu bestehenden oder an anderer Stelle im Chemiepark beabsichtigten Einrichtungen und Funktionen zu vermeiden.


Bearbeitungsbereich I


linke Hälfte


rechte


Hochhaus — Kultur des Umbaus





Verwaltungsbau der 60er Jahre von HPP

Ein Zeitzeuge der BAYER-Unternehmenskultur ist das 31-geschossige, freistehende Hochhaus aus den sechziger Jahren, das in seiner schlanken Linienführung und mit seiner monolithischen Gestalt als Landmarke für die Region, als städtebauliche Dominante für den Chemiepark und als kulturelles Symbol für den Konzernumbau verstanden werden könnte.
Das Gebäude bietet sich zur künstlerischen und auch planerisch-visionären Bearbeitung — selbst im "Aggregatzustand" Abriss — an. Allerdings eignet sich das Hochhaus mehr noch als Projektionsebene zur Reflexion der Neugestaltung dieser administrativen Zone im Zuge des Konzernumbaus und als sinnbildliches Objekt für den unternehmerischen Mut zu Risiko und Experiment im Sinne der Nachhaltigkeit seiner baulichen Struktur und Ästhetik.


Hochhausbereich



3. Erwartungen + + + + + + + + + + + +

An die Bearbeitung der Aufgabenstellung knüpfen sich folgende Erwartungen:




4. Beteiligte Hochschulen + + + + + + +




5. Bedingungen und Leistungen des Kulturkreises, der BAYER AG, der Stadt Leverkusen und der Hochschulen: + + + +





6. Leistungen der Studierenden: + + + +





7. Zeitplan + + + + + + + + + + + + + +

Sommersemester 2006
Einladung an die Hochschulen

WinterSemester 2006/07
Seminar in Leverkusen vom 1. bis 4. November 2006 und daran anschließend:
DER WETTBEWERB

Mai 2007
Jurierung

Oktober 2007
Präsentation der Ergebnisse zur Jahrestagung des Kulturkreises in Leverkusen







Berlin, den 10. April 2006