Städtebauliche Akteure treiben eine Entwicklung voran, der es etwas entgegenzusetzen gilt:
NEUE IDEEN
Transformation Osthafen
Frankfurt am Main
Ein Projekt des Kulturkreises für dreißig Studierende der Architektur von fünf Hochschulen in 2004/05
Luftaufnahme vom Osthafen: Vergrösserung hier ... [320 kB] PDF
Thema, Gebiet und aktuelle Entwicklung:
Die Transformation des im Jahre 1912 eingeweihten Frankfurter Osthafens ist
Thema des Kulturkreis-Projektes 2004/05.
Das vor knapp 100 Jahren entlang des Mains städtebaulich entwickelte und
industriell strukturierte Areal soll laut Beschlusslage der Stadt Frankfurt
als Hafengebiet erhalten bleiben und in ein modernes Logistikzentrum mit "trimodaler"
Verknüpfung (Schiff, Schiene, Straße) umgewandelt werden. Frühere
stadtplanerische Konzeptionen sahen die Entwicklung eines citynahen Wohngebietes
oder auch eines durchmischten Arbeits- und Wohnquartiers mit hoher Lebensqualität
vor.
Die Wettbewerbsaufgabe bietet die Möglichkeit, alle Planungsansätze
und Konzepte einzubeziehen und weiter- oder neu zu entwickeln. Die Aufgabe ist
zwar auf einen konkreten Ort - den Frankfurter Osthafen – bezogen, soll
aber auch als Modell für ähnliche Gebiete verstanden werden.
Das Gebiet ist bereits einer weiträumigen und tiefgreifenden Umstrukturierung
unterworfen. Neue Tertiär-Ansiedlungen, Umnutzungen von Gewerbe –
und Kontorgebäuden und Domizile der Lifestyle-Aktivitäten bieten ein
hochdynamisches Feld für Automobil-Niederlassungen, Design- und Möbel-Spezialhäuser,
multikulturelle Supermärkte, Fitness- und Wellness-Studios, Marketing-
und Werbebranchen, Architekturbüros, Galerien, Diskotheken, Probebühnen
und Backoffices für die Kultur-, Theater- und Musikszene.
innenstadt-naher Hafen
Städtebauliche Akteure treiben die dynamische Entwicklung voran:
- so verfolgen die Städtischen Hafenbetriebe z.B. ein Konzept der Verdichtung
der Hafen- und Bahnlogistik und restlicher industrieller Aktivitäten entlang
des südlichen Hafenbeckens;
- so ist das nördliche Becken Ort von Planung und Entwicklung hochwertiger
Architektur für neue Dienstleistungssparten und – auf der Ideenebene
– Standort für attraktives städtisches, Freizeit orientiertes
Arbeiten am Wasser;
- so entwickelt sich die Hanauer Landstraße zum Boomtown-Areal für lokal
engagierte Investoren und kommerziell orientierte Kulturvermarkter;
- so räumt die Bahn AG ihr flächenintensives Ostbahnhofs- und Güter-Gleisfeld
zugunsten eines kompakten Container Terminals und neuer städtebaulicher
Quartiersentwicklung;
- so steuert die Stadt Frankfurt durch Bebauungspläne und Investitionsstrategien
im öffentlichen Wohnungsbau, auch in der Ansiedlungspolitik öffentlicher
Einrichtungen und kultureller Institutionen, die Entwicklung des bislang benachteiligten
Ostends;
- so entsteht aktuell hochwertiges Wohnen am Fluss auf ehemals industriellen Flächen,
während entlang des Mains auf den zugehörigen Tief- und Lagerkais
die ersten öffentlichen Grünanlagen der post-industriellen Phase bereits
gewonnen worden sind;
- so wird der Großmarkt der städtischen Marktbetriebe im Juni 2004 an
die nördliche Peripherie der Stadt verlagert. Auf seinem bisherigen Gelände
entsteht der Sitz der Europäischen Zentralbank, unter Einbeziehung der
– denkmalgeschützten - Großmarkthalle von 1928.
In dieser städtebaulichen Aufbruch-Situation ist die Gefahr einer verfestigenden
Monostrukturierung des Hafens – sei es durch Ausbau der Logistik oder
durch Ansiedlung von Dienstleistung – unverkennbar. Im Sinne der Wettbewerbsaufgabe
bietet es sich an, das Planungsgebiet aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten
und neue, offene Ansätze und Konzepte zu entwickeln, die dem Umdenken zur
Re-Lokalisierung von gewerblicher und industrieller Lohnarbeit entsprechen:
Innerstädtischer, urbaner "Zwischenraum" soll für zukünftige
Formen von lokaler Arbeit erhalten, zwischen genutzt und "kultiviert"
werden.
Aufgabenstellung und Planungsgebiet:
Im Frankfurter Osthafen konzentrieren sich viele städtebauliche Probleme
- er ist somit ein Ort an dem auch modellhafte Lösungen erarbeitet werden
können.
In Anbetracht der Größe und der Komplexität des Osthafens ist
nach Abstimmung mit den beteiligten Hochschullehrern ein Ausschnitt als Planungsgebiet
definiert worden, die Wettbewerbsbeiträge können auf dieses Gebiet begrenzt
bleiben:
Karte des Osthafens: Vergrösserung hier ... [4,06 MB] PDF
Es handelt sich um zwei Gebietsstreifen:
- einen ca. 100 m breiten Streifen-Schnitt vom Gütergleisfeld im Norden zum Main im Süden, westlich der Schwedlerstraße, quer zu den West-Ost verlaufenden Infrastruktur- und Nutzungsbändern des Unterhafens, in dem Nutzungen erfasst, Zusammenhänge analysiert und exemplarisch bearbeitet werden können.
- die West-Ost ausgerichtete Südmole, die zwischen dem ausschließlich
gewerblich genutzten Südbecken des Unterhafens und dem Main liegt.
Diese Mole weist auf der westlichen Hälfte mit seinem brachliegenden Uferrand planerisches Potential auf und gilt als Planungsgebiet .
- Die östlichen Hälfte der Südmole weist vor allem gewerbliche Aktivitäten auf; von West nach Ost sind zunehmend unterschiedliche Nutzungen und Leerstände zu verzeichnen. Sie kann optional in die Planungen mit einbezogen werden.
- Selbstverständlich kann auch das gesamte Hafengebiet in den Wettbewerbsbeiträge berücksichtigt werden.
Vogelperspektive: Vergrösserung hier ... [1,3 MB] PDF
Erwartet werden:
- analysierende, vergleichende und wertende Untersuchung zu den wirtschaftlichen,
sozialen, kulturellen und räumlichen Verflechtungen des Gebietes mit der
Stadt.
- Erarbeitung von Vorstellungen über die Entwicklung urbanen Lebens und
Arbeitens auf der Grundlage der vorherigen Untersuchungen unter Nutzung der
inneren Potentiale und Verortung im Planungsgebiet.
- Entwicklung konzeptioneller städtebaulicher Lösungsansätze
für den Planbereich im Sinne von Szenarien, die den Bestand vorhandener
Kleingewerbe mit Niedriglohnarbeit sichern und mögliche Entwicklungen unterstützen
oder gar initiieren.
- Der Hafen sollte als Ort der Arbeit entwickelt und um sinnvolle neue Nutzungen ergänzt werden. Es können neue Akzente gesetzt werden und Mischformen von Wohnen und Arbeiten erdacht werden.
- Entwicklung architektonischer Konzeptionen für einen frei auswählbaren
überschaubaren Teilbereich des Planungsgebietes, die als offene architektonische
Modelle - nicht als abgeschlossene Lösungen - verstanden werden sollen,
sondern heute nicht vorhersehbare Entwicklungen und Aneignungen ermöglichen
oder auch als Katalysatoren dienen. Als Teilbereiche können z.B. verstanden
werden: Umplanung vorhandener Hallen, ergänzende Neubauten im Gebiet, Wohnen und Arbeiten an der südlichen Uferkante etc.
Leistungen der Studierenden:
- städtebauliche konzeptionelle Ansätze im Planungsgebiet inhaltlich
und räumlich konkretisieren und im Plan/ Modell Maßstab 1:1000/2000
und durch erläuternde Texte und Skizzen darstellen.
- Darstellung der architektonischen Konzeption für einen Teilbereich in
Plänen, Skizzen und Modellen im Maßstab 1: 200/500.
- Die Darstellungsarten werden als konzeptgebunden betrachtet und sind deshalb
freigestellt.
- Für die Präsentation und die spätere Ausstellung der Entwürfe
ist die Darstellung auf Papier erforderlich.
- Für die Jury- und Internet-Präsentation ist die Lieferung von ausgewählten
Daten in elektronischer Form notwendig (Formate werden später abgestimmt).
- Die Entwürfe sind vom Verfasser / von den Verfassern persönlich
bei der Jurierung vorzustellen.
Leistungen des Kulturkreises und der Hochschulen:
- die Gesamtzahl der Teilnehmer ist auf 30 Personen begrenzt, also 5 bis 7
Studenten pro Hochschule;
- der Kulturkreis übernimmt die Kosten für die Planunterlagen und
liefert den Hochschulen die Daten elektronisch;
- der Kulturkreis richtet die Seminarwoche in Frankfurt aus und übernimmt
die Kosten für die Unterbringung der Studenten und Hochschullehrer;
- die Fahrtkosten werden von den Teilnehmern oder den Hochschulen selbst getragen;
- der Kulturkreis richtet die Präsentation und Jurierung der Ergebnisse aus;
- es wird eine unabhängige Jury berufen;
- die Kosten für die Präsentationsmaterialien tragen die Teilnehmer selbst;
- es steht eine Preissumme von 10.000 Euro zur Verfügung;
- der Kulturkreis präsentiert das Projekt im Internet unter www.vision-stadt21.de, erstellt eine Ausstellung und eine Publikation;
- die Rechte an den Entwürfen bleiben bei den Verfassern.
Beteiligte Hochschulen:
- Prof. Jo Eisele, TU Darmstadt, Lehrstuhl für Entwerfen und Baugestaltung
Betreuer: Dipl.-Ing. Jean Heemskerk, Dipl.-Ing. Peter Bender
- Prof. Nicolas Fritz, ABK-Stuttgart, Studiengang Architektur
- Prof. Anne Christin Scheiblauer
Prof. Michael Peterek, beide FH-Frankfurt, Institut für Städtebau
- Prof. Rudolf Hierl, FH Regensburg, Lehrstuhl für Entwerfen und Baukonstruktion
- Prof. Werner Kaag, Lehrstuhl für Baukonstruktion und Industriebau, TU
Braunschweig
Betreuer: Dipl.-Ing. Maria Clarke, Dipl.-Ing. Paul Ndi und Dipl.-Ing. Sascha Ahad
Zeitplan:
- Sommersemester 2004 Einladung an die Hochschulen
- Anfang Juli 2004 Treffen der Hochschullehrer in Frankfurt zur Konkretisierung des Projektes
- Oktober 2004 Präsentation des Projektes bei der Jahrestagung des Kulturkreises
- Wintersemester 2004/05 Beginn der studentischen Arbeit
- 4. bis 6. November 2004 Seminar in Frankfurt
- Frühjahr (April /Mai) 2005 Präsentation und Jurierung der Entwürfe
- Oktober 2005 Präsentation der Ergebnisse bei der Jahrestagung des Kulturkreises und Preisverleihung
Berlin, im März 2005